Auf Borkum hat die einzige Strandsegelschule der Ostfriesischen Inseln ihren Sitz. Und das hat auch einen guten Grund: Denn keine andere hat ein derartig breites Revier für segelnde Strandyachten wie sie mit ihrem riesigen Nordstrand. „World of Wind“ heißt die Schule, die 2016 von Chris John auf Borkum eröffnet wurde und Einsteigern die Möglichkeit bietet, hineinzuschnuppern in diesen außergewöhnlichen Strandsport, der wie kaum ein anderer mit der Nordsee und seinen Inseln im Wattenmeer verbunden wird. Drei Stunden dauert so ein Schnupperkurs Strandsegeln in Praxis und Theorie – und es ist schon erstaunlich, wie schnell Mann und Frau den Bogen heraus hat.
Rasend unterwegs: Immer mit der Nummer 605 segelt Thomas Bents die Strandregatta.
Auf Langeoog mit seinem 15 Kilometer langen Traumstrand wird das Segeln auf Sand schon besonders lange gepflegt. Der Langeooger Strandsegler Club, 1984 gegründet, besteht seit mittlerweile 37 Jahren. In dieser Zeit haben die rasanten Regattafahrer:innen der Insel unzählige nationale und internationale Meisterschaften gewonnen. Bis heute wird hier im Verein gesegelt, was mittlerweile eine Seltenheit auf den Ostfriesischen Inseln geworden ist. Das ist vor allen Dingen dem persönlichen und jahrelangen Einsatz vieler engagierter Strandsegler Langeoogs zu verdanken. Einer von ihnen ist Thomas Bents, selbst ein äußerst erfolgreicher Regatta-Segler, der von den fünfziger und sechziger Jahren zu berichten weiß, als es auf der Insel bereits frühe Spielarten des Strandsegelns gab.
Wurde das Strandsegeln in den Anfangsjahren rein zum persönlichen Vergnügen betrieben, hat sich die Disziplin seit den Siebziger Jahren stark professionalisiert. Insbesondere beim Regatta-Segeln gibt es strenge Reglements, über die international die FISLY (Federation Internationale de Sand et Land Yachting) wacht – wie etwa über die Segelklassen des rasanten Sports. In welcher Klasse man ein Rennen segelt, das entscheidet beim Strandsegeln die Größe von Gefährt und Segel sowie die Geschwindigkeit, die maximal erreicht werden kann.
Diese Ausgabe von Ostfriesland Reloaded ist wahren Abenteurern gewidmet. Denn das waren sie damals, die Landesvermesser, die mit ihren sperrigen Instrumenten Winkel vermaßen, lange Linien über das Land zogen und erstmals das Königreich Hannover genauestens kartografierten. Sie nahmen unglaubliche Strapazen auf sich, betraten auf ihren langen Expeditionsreisen oft weitestgehend noch unbekanntes Territorium. So auch in Ostfriesland. Das begrüßte sie mit Rauchschwaden vom Moorbrand, im Sturm schwankenden Türmen und sandigen Winden. Davon erzählen äußerst lebendig viele Briefe, die Carl Friedrich Gauß, der Chef der Mission, unablässig mit seinen Mitarbeitern austauschte. Komplett und zum ersten Mal vollständig nachzulesen sind sie nun in den „Correspondenzen“, geschrieben von André Sieland und so eben im Verlag Kessel erschienen.
Spätestens seit dem Bestseller „Die Vermessung der Welt“ ist Deutschlands berühmtester Mathematiker, Carl Friedrich Gauß, auch jenen ein Begriff, die sich ansonsten wenig um die Kunst der Berechnung von Dreiecken scheren. Triangulation heißt ein bis heute eingesetztes Verfahren, das erlaubt, mit Hilfe der Mathematik und Winkelfunktionen die Länge der Schenkel von Dreiecken zu berechnen und damit Entfernungen zu ermitteln. Nach einer Reihe von technologischen Innovationen bei den Messinstrumenten, zu der auch Gauß maßgeblich beitrug, begann man im 19. Jahrhundert ganze Landstriche mit einem Spinnennetz an Dreiecken zu überziehen und sie so exakt zu kartieren.
Zum 200. Jubiläum der „Königlich Hannoverschen Landvermessung“ wird der komplette Briefwechsel zur historischen Mission unter Leitung von Carl Friedrich Gauß erstmals in transkribierter Form veröffentlicht. Mehr als tausend Briefe zeichnen ein neues Bild vom berühmtesten Vermesser der Welt. Geplant hatte er anfangs mit etwa 400, am Ende sind es genau 1072 handschriftliche Briefe in altdeutscher Schrift, die nun für jedermann lesbar in Druckschrift und ins Hochdeutsche transkribiert vorliegen. Das zunächst überschaubare Unterfangen nahm im Verlauf immer gewaltigere Dimensionen an. Neue Korrespondenz von und an Gauß tauchte auf, so wurden 200 verschollen geglaubte Briefe zwischenzeitlich entdeckt. Der letzte aus Washington D.C. erreichte André Sieland noch Anfang 2021.
Sieland ist Vermessungsexperte wie Gauß, Fachgebietsleiter im Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) in Hannover, und damit zuständig für die Festpunkte der Gegenwart. In dieser Funktion erhielt er 2017 in Vorbereitung auf das bevorstehende Jubiläum eine Anfrage der Kollegen vom Landesamt für Denkmalpflege nach den alten Gauß’schen Messpunkten in Niedersachsen. Nur etwa 17 nachgewiesene seien ihnen bekannt. Doch schon erste Überprüfungen Sielands ergaben, es sind einige mehr. Schnell hatte er 120 gelistet, und bekam zunehmend Spaß an den Nachforschungen. Er investierte immer mehr Freizeit und schließlich jede freie Minute in das Projekt, unternahm Exkursionen und Wanderungen am Wochenende, traf auf leidenschaftliche Heimatkundler und konnte manch originalen alten Messpunkt neu verorten wie auf der Insel Langeoog oder sogar wiederentdecken wie auf dem Haußelberg in der Lüneburger Heide.
In ihren Briefen hat Buchautor André Sieland die vier wesentlichen Protagonisten der Königlich Hannoverschen Landesvermessung über viele Jahrzehnte begleitet. Sie waren allesamt gebildete Männer, die bis auf Carl Friedrich Gauß im Militär ihre Berufskarrieren machten und auch diesem mit ihren Vermessungsarbeiten wichtige Erkenntnisse lieferten. War es für ihn am Anfang teilweise noch schwierig, manche ihrer Zeilen zu lesen, ging es am Ende fast wie von selbst. Heute erkennt André Sieland sie alle sofort an ihren Handschriften, aber auch an ihren ganz eigenen Schreibstilen.
Extrem komplex sind die Zusammenhänge rund um das Weltnaturerbe Wattenmeer. Das sagt selbst diejenige, die sich blind in einer komplizierten Organisationsstruktur aus politischen Konferenzen, Councils und Boards auskennt und täglich mit internationalen Taskforces, Teams und Netzwerkgruppen zu tun hat. Anja Domnick sitzt als Projekt-Managerin im Gemeinsamen Wattenmeersekretariat der drei Anrainernationen in Wilhelmshaven mitten drin im Geflecht. Die Strategin ist dort ein wichtiger Knoten. Netzwerken ist ihr Geschäft und ihre Leidenschaft: das komplizierte Verwaltungsgebilde Wattenmeer zu erklären, mit Leben zu füllen und zu den Menschen der Region zu bringen.
Ostfriesland Reloaded im Gespräch mit Anja Domnick
Ostfriesland Reloaded: Frau Domnick, das Wattenmeer hat gerade erst wieder Geburtstag gefeiert. Vor genau zwölf Jahren wurde es zur Naturlandschaft von „außergewöhnlichem universellen Wert“ erklärt und damit das zweite UNESCO-Weltnaturerbe Deutschlands. Wie waren die Feierlichkeiten dieses Jahr?
Anja Domnick: Es gab vielfältige Veranstaltungen in allen Regionen, an der Küste, auf den Inseln: kostenlose Wattwanderungen für Einheimische, ausgewählte Fahrradrouten, eine Sternennacht im Wattenmeer und sogar einen Hof-Gottesdienst. Mich hat besonders gefreut, dass das Programm auch sehr gut von den Einheimischen angenommen wurde, nicht nur von den Feriengästen. Es wurde tatsächlich richtig gefeiert, bedingt durch die COVID19-Pandemie dieses Jahr erneut kleiner und mit Abstand oder digital in den sozialen Netzwerken. Der Facebook-Post, den unsere Kollegen vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer veröffentlichten, erreichte über 4.400 Personen.
Das niedersächsische Wattenmeer (Foto: Andreas Klesse).
Seit genau zwölf Jahren bist Du nun UNESCO Weltnaturerbe – das Dutzend ist voll und das ist ganz wunderbar. Am 26. Juni 2009 wurde Dir dieser ganz besondere Ehrentitel offiziell verliehen, der wiederum uns Menschen dazu verpflichtet, Deine Einzigartigkeit in der Welt zu schützen. Über 10.000 Tiere und Pflanzen sind in Deinen Biotopen und Lebensräumen zu Hause. Du bist die Wildnis vor unserer Haustür, das nahrhafte Revier für Schweinswale, Kegelrobben und Seehunde im Wasser und für zwölf Millionen Zugvögel jährlich in der Luft.
Du bist einfach riesig: Auf fast fünfzehntausend Quadratkilometern erstreckst Du Dich über 500 Kilometer vor den Küsten der Niederlanden, Deutschlands und Dänemarks. Du verbindest Bundesländer, Nationen und Menschen. In Deinem Nordseereich, einem der letzten großflächigen Naturlandschaften Mitteleuropas, in der die geologischen und ökologischen Prozesse noch ganz unbeeinflusst von Menschenhand ablaufen, dürfen wir uns für kurze Augenblicke wieder wie Adam und Eva im Paradies fühlen.
Wir feiern Dich und danken Dir in diesem Jahr wieder mit ganz vielen Aktionen rund um Deinen Geburtstag: Wattwanderungen für die ganze Familie, sportliche Wattquerungen nach Baltrum und Norderney, Führungen zu Ebbe und Flut, stimmungsvolle Events im Sonnenuntergang. Eine eigene Webseite zum Geburtstag haben wir Dir auch eingerichtet: Hier gibt es den kompletten Überblick zu Deiner Geburtstagsparty.
Der UNESCO-Jahrestag lädt ein zum Lesen. Wie wär’s mit einem spannenden Buch zum Thema, das auch den Menschen im Wattenland noch viel Neues zu berichten weiß?
Das Wattenmeer ist ein wildes Stück Deutschland. Seit 2009 ist das Schwemmland im Norden, das sich von den Niederlanden bis nach Dänemark erstreckt, mit dem Titel UNESCO-Weltnaturerbe geadelt. Eine amphibische Landschaft, die von oben so schön ist wie das Mündungsdelta des Orinoco, heißt es. Das Buch nimmt Sie mit auf eine Reise in dieses Zwischenreich, nicht Land, nicht Meer, im ewigen Rhythmus von Ebbe und Flut, angezogen von gewaltigen kosmischen Kräften. Es erzählt von Spionage im Wattenmeer, von tragischen Unglücksfällen, kulinarischen Neuentdeckungen und spannenden Forschungsprojekten zu Klimawandel und Nachhaltigkeit. Ein Haufen Schlick? Mitnichten! Mehr Leben geht nicht.
13,5 x 20,5 cm, 240 Seiten
ISBN 978-3-7408-1081-8
Euro 16,95 [D] , 17,50 [AT]
Im April neu 2021 erschienen. Direkt zu kaufen hier oder beim Buchhandel.